Reittherapie

Pferde üben von je her eine Faszination auf den Menschen aus. Die therapeutische Arbeit mit Pferden nutzt diese natürliche Verbundenheit von Mensch und Tier. Pferde begegnen Menschen vorbehaltlos und wertungsfrei, unabhängig von Aussehen, Berufsstand oder Behinderungen und spiegeln unsere Stimmungen unmittelbar wider. Sie gestatten uns Körperkontakt und vermitteln durch das Getragenwerden und Schwingungen des Pferderückens Geborgenheit.

Die Grundsinne des Menschen wie Riechen, Hören, Sehen, Tasten oder Gleichgewicht werden im Kontakt mit dem Therapiepartner Pferd gleichermaßen angesprochen. Die Beschäftigung mit dem Pferd hat ebenfalls eine erzieherische Funktion, da beim Putzen, Satteln oder Reiten auch Verantwortung übernommen wird. Im Umgang mit dem Pferd entstehen Vertrauen, Selbstbewusstsein, Verlässlichkeit und Bindungsfähigkeit.

Mit diesen Voraussetzungen können in der Therapie sensomotorische, emotionale, geistige, soziale und kognitive Bereiche angesprochen werden. Beim therapeutischen Reiten arbeiten Klient, Therapiepferd und Therapeut gemeinsam am klientenspezifischen Problem, wobei die Zusammenarbeit mit Ärzten, Physiotherapeuten, Pädagogen oder Psychologen eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Arbeit bildet.

Der Mensch ist ein bio-psycho-soziales Wesen, was bedeutet, dass sich eine Krankheit oder Störung oft auf mehreren dieser drei Ebenen auswirkt. So wird eine körperliche Behinderung oder Erkrankung stets auch Einfluss auf unsere Psyche oder das soziale Verhalten zeigen:
Kranke Menschen ziehen sich zurück, vermeiden Sozialkontakte oder das Selbstwertgefühl sinkt. Deshalb setzt die reittherapeutische Arbeit an allen drei Ebenen an.

Bei der therapeutischen Arbeit mit Pferden steht nicht die reiterliche Ausbildung, sondern die ganzheitliche, ressourcenorientierte Therapie im Vordergrund. Dazu gehören Pflege und Versorgung des Pferdes, Beziehungsaufbau, Bodenarbeit, Gruppen- und Einzelunterricht, Ausritte in die Natur, Reiterspiele sowie das Reiten selbst.

Therapeutisches Reiten findet Anwendung bei: Verhaltensauffälligkeiten (ADHS, Autismus, Lern- und Sprachstörungen), leichten körperlichen oder geistigen Behinderungen (Down-Syndrom), psychischen Störungen (Wahrnehmungsstörungen, Depressionen, Traumata nach Unfall oder Verlusten, Essstörungen) oder sozialen Störungen (Erlernen sozialer Kompetenz) sowie in der Rehabilitation.

Der Beruf „Reittherapeut“ ist in Deutschland zurzeit noch nicht geschützt. Eine Anerkennung und Finanzierung durch Krankenkassen oder Behörden erfolgt nur bei ausgebildeten und ausreichend qualifizierten Therapeuten. Man sollte sich im Zweifel die Qualifikation sowie den Ausbildungsstand des Therapeuten und der Therapiepferde zeigen und bestätigen lassen.

Der Berufsverband Therapeutisches Reiten hat das Verfahren um die staatliche Anerkennung eingeleitet. Weiterhin wurde ein Fragenkatalog für eine Qualitätsplakette zur artgerechten Haltung der eingesetzten Therapiepferde erarbeitet (www.sv-hpr.ch).